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Zur Integrationsdebatte

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Im Spannungsfeld von Integrationsgipfel, Libanonkrieg, fünftem Jahrestag von 9/11 und dem jüngsten Attentatsversuch der Kölner Kofferbomber ist die Frage nach der Integration bzw. Integrierbarkeit deutscher Muslime in den vergangenen Wochen erneut zum Reizthema geworden.
“Was aber, wenn sich junge Ausländer gar nicht eingliedern wollen?”, fragt Franziska Reich in ihrem stern-artikel “Eine Welt für sich”. Henryk Broder kommentiert die gutmenschlerischen Integrationsversuche und jene “Entschlossenheit” der Deutschen “die Gefühle der Muslime nicht zu verletzen” wie folgt: “Es geht um Meinungsfreiheit, den Kern der Aufklärung und der Demokratie, und um die Frage, ob Respekt, Rücksichtnahme und Toleranz die richtigen Mittel im Umgang mit Kulturen sind, die sich ihrerseits respektlos, rücksichtslos und intolerant gegenüber allem verhalten, was sie für dekadent, provokativ und minderwertig halten, von Frauen in kurzen Röcken bis hin zu Karikaturen, von denen sie sich provoziert fühlen, ohne sie gesehen zu haben.”
Die Islambeauftragte der SPD, Lale Akgün, beklagt dagegen, daß “das Feindbild Islam in Deutschland noch nie so ausgeprägt” gewesen sei. Sie vertritt die Auffassung, daß “die pauschale Forderung nach einem Bekenntnis der Muslime zur Demokratie” Misstrauen schüre und für Polarisierung sorge. Sie wirke “dort wie ein Sprengsatz, wo die bereits überwiegend erfolgreiche Integration von Einheimischen und Zugewanderten eigentlich vertieft werden müsste”.
Demnach befinden wir uns also in einem Teufelskreis: Fordern wir den Muslimen ein Bekenntnis zur Demokratie ab, entfremden wir sie ihr und provozieren somit eine antidemokratische Gesinnung und entsprechendes Handeln. Das ist ungefähr so, wie wenn man argumentierte, die Bekämpfung des Terrors würde diesen noch verschlimmern. Ironischerweise stimmt das sogar: Obwohl die amerikanische Regierung 2002 und 2003 Statistiken veröffentlichte, die das eigentliche Ausmaß muslimischen Terrors verharmlosten, weiß man inzwischen, daß die Zahl der Anschläge seit 2001 weltweit drastisch gestiegen ist. Kritische Journalisten weisen zwar darauf hin, daß dieser signifikante Anstieg auch auf besseren Informationsfluß und das erhöhte Interesse an derartigen Statistiken zurückzuführen ist – allein, die Zahlen bleiben. “Man muss keinen Doktortitel in Statistik oder nicht einmal eine Rechenmaschine haben, um festzustellen, dass der Terrorismus zunimmt”, so William F. Schulz, Vorstand von Amnesty International in den USA. Dennoch käme kein Mensch auf die Idee, den Kampf gegen den Terrorismus aufzugeben, in dem Glauben, die Terroristen würden von alleine zur Besinnung kommen, ließe man sie nur unbehelligt.
Was ergibt sich aus all dem hinsichtlich unserer Bemühungen, Muslime erfolgreich in Deutschland zu integrieren?
Zunächst befinden wir uns von vorneherein in einer Situation, die man kaum anders als mit dem Gemeinplatz ‘Ironie der Geschichte’ bezeichnen kann: Aufgrund einer Vergangenheit, in der Deutsche Millionen andere Deutsche aufgrund ihres Glaubens ermordeten, ist man heute überaus vorsichtig, auch nur den leisesten Verdacht an religiöser Intoleranz aufkommen zu lassen, selbst wenn es sich um eine Religion handeln sollte, die mitunter ebenso dogmatisch, reaktionär, rückständig und menschenverachtend ist wie Hitlers Faschismus, der sich nicht zufällig fast überall in der arabischen Welt nach wie vor großer Beliebtheit erfreut.
So deutlich nehmen das – gottlob, möchte man fast sagen – die meisten Deutschen nicht wahr. Doch manche zweifeln an der Behauptung des Islamratsvorsitzenden Ali Kizilkaya, die überwältigende Mehrheit deutscher Muslime sei dem Grundgesetz verpflichtet. Denn es verträgt sich, beispielsweise im Hinblick auf Art.3 (Gleichberechtigung) und Art. 5 (Meinungsfreiheit), nur schlecht mit der Scharia. Auch der Koran läßt wenig Spielraum für Un- und Andersgläubige. In der Sure 98,7 werden sie als “die schlechtesten Geschöpfe” bezeichnet, die für ewig im Höllenfeuer schmoren sollen. (Daß auch die Bibel nicht frei von derartigem Gift ist, versteht sich von selbst. Wenn fundamentalistische Christen in den letzen fünf Jahren willkürlich tausende von Zivilisten ermordet hätten, würde man wahrscheinlich auch ihren Inhalt etwas genauer unter die Lupe nehmen). So fragt es sich, ob die Unterscheidung zwischen “Islam” und “Islamismus” mehr als eine semantische Spielerei ist. Wenn Islamismus soviel wie “radikaler Islam” bedeutet, wie nimmt sich die nicht-radikale Variante dann aus? Antworten liefern möglicherweise jene Muslime, die, nach Terroranschlägen über die Persönlichkeit eines mutmaßlichen Täters befragt, der Presse regelmäßig die nämlichen Stereotypen liefern: Der sei bestimmt kein Terrorist, heißt es meist, der sei immer ganz normal gewesen, wie alle hier…
Das kann man interpretieren, wie man will.
Religionsfreiheit kann jedenfalls nur in dem Ausmaß gewährt werden, in dem die Religion gewissermaßen Privatsache bleibt. Sobald ihre Ausübung in bestimmte Bereiche des öffentlichen Handelns dringt, wird sie verfassungsrechtlich problematisch.
Auf welche Weise kann aber, der konfligierenden Religionen einmal ungeachtet, für eine erfolgreiche Integration deutscher Muslime gesorgt werden?
Einer meiner französischen Bekannten, selbst deutscher Ausländer, schlug neulich vor, daß Zugewanderte ihren im Gastland geborenen Kindern zuweilen auch Namen geben sollten, die ihre Identifikation als Bürger des entsprechenden Landes erleichterten – Jean-Marie anstatt Mustafa oder Thomas statt Abdul. Der Eingliederung gewiß zuträglich, ist so etwas andererseits fast undenkbar: Was die einen als positive Integrationsgeste werten würden, empfänden andere wiederum als Identitätsverleugnung.
Außerdem schätzen wir, sieht man vom deutschtümelnden Geschmeiß der rechten Szene einmal ab, ja auch die kulturelle Vielfalt und die basiert vor allem auf gegenseitiger Toleranz. Wertlos ist diese Toleranz allerdings dann, wenn sie nichts anderes ist als die Weigerung, sich mit dem uns Fremden auseinanderzusetzen. Nichts trägt mehr zur Bildung von Parallelgesellschaften bei, als wenn konfliktträchtige Unterschiede unter den Teppich gekehrt werden, statt daß man sich ihre Existenz vergegenwärtigt. Nur dann wird man in der Lage sein, konstruktive Integrationsarbeit zu leisten.
Vielleicht war es doch nicht so naiv, wie manche Journalisten es fanden, als Frau Merkel beim Integrationsgipfel sagte, es sei wohl “ein Schritt in die richtige Richtung, wenn man sich “schon mal besser kennen lernte”…

1 Kommentar »

  1. […] www.teut-deese.de/blog/?p=61 (Zur Integrationsdebatte) […]

    Pingback von News - September 11 (9/11) » Nostradamus, Prophet, Terrorismus, Koran, EU — September 12, 2006 @ 9:47 pm

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