“Ich will doch nur, dass ihr mich liebt”

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Die aktuellen politischen Verrenkungen Kurt Becks lassen sich kaum treffender auf den Punkt bringen als mit dem Titel jenes frühen Fassbinder-Films.
Denn Streicheleinheiten bekommt der Pfälzer im Augenblick höchstens von seiner Frau (die aber auch seinen unvorteilhaften Haarschnitt zu verantworten hat). Die Mehrheit der SPD-Basis hingegen würde sich bei einer Direktwahl des Bundeskanzlers nicht für ihren Parteivorsitzenden, sondern für Angela Merkel entscheiden.
Vor diesem Hintergrund hat Beck ohne wirkliche Not die Diskussion um ein 24-monatiges Arbeitslosengeld für ältere Arbeitslose wieder losgetreten. Damit befindet er sich sowohl im Widerspruch zu der von ihm mitgetragenen Agenda 2010 als auch zu seinem Parteigenossen, Bundesarbeitsminister Franz Müntefering. Der nämlich will an der Agenda und mithin am auf zwölf Monate verkürzten Arbeitslosengeld festhalten, und die Statistiken geben ihm recht: Seit 2005 allein fanden rund eine Viertelmillion Arbeitloser jenseits der fünfzig neue Jobs.
Natürlich kann man über Münteferings Interpretation der Arbeitslosenversicherung streiten, die seines Erachtens keine Anspar-, sondern eine Risikoversicherung darstellt. Zumal das eine Element das andere nicht zwingend ausschließt: Eine Verknüpfung beider Prinzipien kann durchaus ein Mehr an sozialer Gerechtigkeit schaffen. Daher ist Becks Initiative, wenn auch in wirtschaftspolitischer Hinsicht verfehlt, keinesfalls so abwegig. Jedenfalls ist sie Jürgen Rüttgers Forderung vorzuziehen, die eine Verlängerung der ALU-Zahlungen an Ältere an die Verkürzung der entsprechenden Leistungen für jüngere Arbeitslose (die diese mindestens genauso nötig brauchen) koppelt. Doch der Zeitpunkt, zu dem sich der Pfälzer zum Advokat der Alten aufschwingt, verleiht der guten Absicht einen populistischen Beigeschmack. Hier will jemand, auf Kosten jener SPD-Minister, die in der Regierungsverantwortung stehen, seine eigenen Popularitätswerte aufbessern, indem er vorgibt, schnelle Abhilfe für ein komplexes und weitverzweigtes Problem schaffen zu können.
Doch das Wahlvolk scheint auf dergleichen nicht hereinzufallen: Wenngleich 85 Prozent der Deutschen den Vorschlag von Basiskuschler Beck gutheißen, sind seine Sympathiewerte nach wie vor im Keller. Zumal er mit seinem unüberlegten Aktionismus auch der SPD keinen Gefallen tut, die im Augenblick weder durch Geschlossenheit noch durch Stringenz punkten kann.
Wenn viele Deutsche auch einerseits Initiativen bejahen, die kurzfristige finanzielle Absicherung versprechen, wird man sich andererseits überlegen, nächste Jahr einen Kanzlerkandidaten zu wählen, der derart verzweifelt um Zustimmung buhlt.
Hey big sister…

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“Sexy”, so schreibt Ariadne von Schirach in “Der Tanz um die Lust”, sei die hübsche kleine Schwester von Porno. Die häßliche große Schwester, so scheint es, ist im Begriff, salonfähig zu werden. Ob es sich dabei um eine Nebenwirkung des digitalen Zeitalters und seiner eigenartigen Mischung aus Exhibitionismus und Anonymität handelt oder ob die vielbeschworene Pornographisierung der Gesellschaft auf den galoppierenden Bedeutungsverlust des Christentums und seines Moralkodex zurückzuführen ist, läßt sich kaum mit Sicherheit bestimmen.
Fest steht, dass Porno und seine Akteure nach und nach aus der Schmuddelecke ins Licht der Öffentlichkeit gezerrt und mithin gesellschaftsfähig gemacht werden. Während die Pro7-Zuschauer mit Dolly Buster heiße Tränen über deren unerwartet verstorbenen Boxerrüden vergießen, schaut man beim VOX-Promi-Dinner Frau Schaffrath beim Kochen zu. Der stern veröffentlichte jüngst ein mehrseitiges, reich bebildertes Interview mit Pornodarsteller Ron Jeremy (kennt den außerhalb der U.S. überhaupt jemand?), ganz offensichtlich um den Verkauf dessen soeben in Deutschland erschienener Autobiographie “Ein Mann und viertausend Frauen” anzukurbeln. Ganz handzahm fragten die beiden Autorinnen Jeremy, ob er verstehen könne, dass manche Frauen es nicht komisch fänden, zum allzeit verfügbaren Sexobjekt degradiert zu werden. Noch vor zehn Jahren hätten sie dem Pornopionier vermutlich die Eier abgeschnitten.
Auf RTL berichtet man heute mit solcher Selbstverständlichkeit über Vaginalverjüngung, hausgemachte Amateurpornos und Hartz IV Empfänger, die ihre Freundinnen auf den Strich schicken, dass man Herrn Klöppel bei den Schultern packen, ordentlich durchschütteln und ihn beschwören möchte, nicht noch das letzte Quentchen journalistische Integrität, das der Kölner Sender sein eigen nennt, leichtfertig aufs Spiel zu setzen.
Im Jahr 2007 ist Porno weder Tabuthema noch, wie in den 70ern, Ausdruck von Rebellion. Youporn ist in aller Munde, man tauscht sich darüber aus wie früher über Actionfilme oder Videospiele. Der Amateurporno ist Teil des Mainstreams geworden und zugleich Inbegriff der kommerzialisierten Intimsphäre. Denn die scheinbare sexuelle Freiheit entspricht der völligen Preisgabe des Privaten – im Vergleich dazu nimmt sich der “Überwachungsstaat”, den Terrorparanoiker erträumen, wie ein Elysium aus. Bezeichnenderweise gibt es mittlerweile schon Filme, die den Geschlechtsakt von innen zeigen – jawohl, Sie haben richtig gehört. Erotisch ist das natürlich nicht, doch in seiner ungewohnten Anschaulichkeit gleicht es einer pornographische Mondlandung – und ist zugleich die völlige Demystifikation des Sexus.
Doch jenseits von Moral, Stil und Ekelschranke gilt vor allem eines: Das Pendant der Erotik ist die Scham. Und in dem Maße, wie uns letztere abhandenkommt, erfährt erstere ihre totale Mechanisierung. Die allerletzte Konsequenz daraus, möglicherweise: Porn will eat itself.
Zum Andenken
Während die Leute sich früher noch die Mühe machten, eine Sache zu durchdenken (oder auch durchzudenken), wird heute Vieles nur noch “angedacht”. Immer häufiger hört man derzeit das neudeutsche Modewort – schwer, sich des Eindrucks zu erwehren, dass niemand mehr irgendetwas zu Ende denkt.
Im Schriftdeutsch schreckte man bislang noch vor dem Andenken zurück – wollte man sich doch nicht dem Vorwurf mangelnder Konsequenz aussetzen. Doch im Editorial der letzten stern-Ausgabe ist zu lesen, dass ein Berater des Umweltministers mit diesem “die Strategien einer Sondersitzung andenken wollte”. Bleibt zu fragen, was das dubiose “andenken” Verben wie “planen”, “erörtern”, “überlegen” oder “erwägen” voraus hat. Ist es etwa so, dass man etwas andenkt, um es daraufhin wieder zu verwerfen? Manchmal vielleicht, aber nicht zwingend. Oder gleicht der Akt des “Andenkens” möglicherweise dem altbekannten Gedankspiel?
Es liegt ebenso nahe, dass das Andenken vielmehr ein Vergessen ist, und zwar des guten Stils. Es ist nämlich – gerade für ein Verb – ein äußerst schwammiger Begriff und ja, mhm, auch ein Wichtigtuerwort, mittels dessen jeder einfällige Gedankenfurz einen quasi-methaphysischen Überbau erhalten soll.
Erschwerend kommt hinzu, dass sich das “andenken”, es sei denn, man gebraucht es im Partizip, schon in grammatikalischer Hinsicht eigentümlich falsch anhört: “Wir werden die Konsequenzen andenken, bevor wir das nächste Mal unsere Sprache verschandeln!”
Oskars Welt, oder: Wer solche Feinde hat, braucht keine PR-Berater
Mit Bienenfleiß haben SPD-Mitarbeiter einen Katalog widersprüchlicher Aussagen ihres ehemaligen Bundesvorsitzenden Oskar Lafontaine angefertigt. Das 13-seitige Werk trägt den Titel “Oskars Welt - die doppelte Wirklichkeit des Oskar Lafontaine”. Bei der SPD kommt man sich sehr clever vor – zumal das Machwerk am Freitag bei SPIEGEL ONLINE veröffentlicht worden ist und sich nun jeder selbst ein Bild von Lafontaines Wankelmütigkeit machen kann. So hatte man sich das jedenfalls gedacht.
Dass Lafontaine ein Scharlatan ist, der mehr verspricht, als er jemals halten kann, sei hier nicht in Abrede gestellt. Wer jedoch eine Bloßstellung des Saarländers als Wendehals und Heuchler erwartet, wird enttäuscht. Die Mehrzahl der sogenannten Widersprüche sind aus dem Zusammenhang gerissene Äußerungen Lafontaines, die oft lediglich zwei Seiten ein und der gleichen Sache ansprechen. In manchen Fällen liegen die Zitate beinahe zwanzig Jahre auseinander und basieren auf einer völlig anderen politischen Ausgangssituation.
Es blamiert sich daher vielmehr die SPD selbst, die sich in der Angst, weitere Mitglieder bzw. Wähler zu verlieren verzweifelt an ein grob vereinfachtes, binäres, statisches Weltbild klammert. Die Auseinandersetzung mit ihrer ehemaligen Gallionsfigur verläuft nur vordergründig sachlich – tatsächlich schwankt die Verteidigungstaktik der Sozialdemokraten irgendwo zwischen engstirniger Erbsenzählerei und unverhältnismäßiger Dämonisierung.
Wäre man in der Lage, mit Leistung und Kreativität zu punkten, erübrigte sich eine derartige Auseinandersetzung ohnehin.
Parlamentswahlen Türkei
Fast durchgehend positiv äußern sich die deutschen Medien über die türkischen Parlamentswahlen, aus denen Recep Erdogans AKP siegreich hervorging, indem sie jede zweite Wählerstimme auf sich vereinen konnte. Man sieht das Wahlergebnis als Chance für die Türkei, als Indikator für eine gefestigte Demokratie. Zumal sich Erdogan, so etwa die FAZ, dazu bekannt habe, den säkularen Charakter der Republik zu schützen und die politischen Gegner zu respektieren. Der gleiche Erdogan, der vor einem Jahr den Papst dazu zwingen wollte, sich dafür zu entschuldigen, dass er in einer Vorlesung an der Uni Regensburg eine Mohammed-kritische Äußerung des byzantinischen Kaisers Manuel II. Palaeologos zitierte.
So stehen auch säkuläre türkische Muslime dem Wahlausgang in ihrer Heimat ungleich skeptischer gegenüber als die Medien hierzulande. “Ein Islamist” sei Erdogan, und seine Politik Augenwischerei. Seinen Wahlerfolg habe er einem vorgetäuschten Aufschwung der türkischen Wirtschaft zu verdanken, der letztlich bloß auf eine unrealistische Aufwertung der türkischen Lira, den Verkauf von Infrastruktur (türkische Telekom) und die Verdopplung der Staatsverschuldung basiere. In Westeuropa begrüße man diese Entwicklung nur deshalb, weil sie dem EU-Beitritt der Türkei im Wege stehe. Denn Erdogans Wiederwahl bereite einer Politik den Weg, die Beitrittsgegner künftig mit immer neuen Argumenten füttern werde.
Klingt fast nach Verschwörungstheorie.
Bleibt, die Entwicklung in der Türkei abzuwarten – zunächst die Wahl des Staatspräsidenten, die im schlimmsten Fall zu erneuten Neuwahlen führen könnte.
“Death Proof”
“Death Proof” – todsicher – heißt Quentin Tarantinos neuer Streifen, der morgen, mehr als drei Monate nach der US-Premiere, schließlich in Deutschland anläuft.
Den “besten “schlechten” Film seit langem” nennt ein Rezensent von 3sat das Machwerk und rühmt dessen Regisseur als “König des gehobenen Trash”.
Tatsächlich wirkt “Death Proof”, verglichen mit dem bisherigen Oeuvre Tarantinos, geradezu dilletantisch simpel gestrickt und damit wie eine Parodie der Idiosynkrasien seines Machers. Die ellenlangen Dialoge, die in “Reservoir Dogs” und “Pulp Fiction” originell wirken, weil sie das Klischee des coolen Gangsters dekonstruieren, sind in “Death Proof” der schieren Geschwätzigkeit gewichen – schwer, den Eindruck loszuwerden, dass sich da jemand gern reden hört. Das Action-Pendant dieser Logorrhöe sind die endlosen Verfolgungsjagden, die den Löwenanteil der Handlung ausmachen.


“Death Proof” + “Planet Terror” (zum Vergrößern Bilder klicken)
Wer indessen auf alte Karren, B-Filme aus den 70′ern und solide gemachte Car-Chase-Action steht, kommt hier voll auf seine Kosten. So liegt auch die eigentliche Schwäche des Films weniger in seiner Machart als in der Art und Weise, wie er hierzulande vermarktet wird. Ursprünglich ist “Death Proof” keine eigenständige Produktion, sondern der zweite Neunzigminüter der dreieinhalbstündigen Tarantino/Rodriguez-Revue “Grindhouse”, die neben Rodriguez Splatter-Film “Planet Terror” noch aus mehreren Trailern für Pseudospielfilme wie “Machete” (mit Danny Trejo) oder fiktive Horror-Schocker der Regisseure Eli Roth (Hostel), Edgar Wright (Shaun of the Dead) und des Hardrockers Rob Zombie besteht.
Anliegen der beiden Regisseure ist es, das Kinoerlebnis der New Yorker “Grindhouses”, jener Schmuddel-Lichtspielhäuser der 70er Jahre, die für billiges Geld Kungfu-, Softsex-, und Horrorfilme im Doppelpack zeigten, zu reproduzieren. Auch inszenierte Filmrisse, “verlorene” Spulen sowie stellenweise gewollt schlechte Filmqualität, holprige Schnitte und Farbschwankungen sind Teil der selbstironischen, akribisch umgesetzten Hommage an ein Genre, von dem sowohl Rodriguez als auch Tarantino nachhaltig beinflusst worden sind. Ferner beschwört “Grindhouse” ein Stück New Yorker Subkultur herauf, die seit der kulturellen Flurbereinigung durch Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani Mitte der Neunziger entgültig der Vergangenheit angehört.
Erst im Kontext dieses Gesamtkunstwerks wird das Stilexperiment “Death Proof” eigentlich sinnfällig. In Deutschland dagegen wird “Planet Terror” erst Ende September gezeigt, die “Grindhouse”-Trailer überhaupt nicht. Unter diesen Umständen sind wohl auch diejenigen Rezensionen nachvollziehbar, die dem Film einen Mangel an Handlung oder Abwechslung vorwerfen.
Was wütend macht, ist aber nicht bloß die Verstümmelung der kreativen Kollaboration von Tarantino und Rodriguez. Es ist vielmehr das Wissen darum, dass das deutsche Filmpublikum den verantwortlichen Filmverleihern zwar als erstklassiger Absatzmarkt für amerikanische Produktionen dient, man es andererseits aber nicht als kompetent genug erachtet, um ihm ein aus einem anderen Kulturkreis stammendes Werk (wobei die “Grindhouse”-Tradition den meisten Amerikanern inzwischen ebenso fremd sein dürfte wie uns) unverwässert vorzusetzen.
Bislang scheint sich allerdings noch niemand an diesem Zensurakt gestört zu haben.
Exklusiv: Goodbye Paris
Schon vor Anbruch des Medienzeitalters freute sich der zivilisierte Mensch auf Jahrmärkten und in Freakshows an Annomalien, Deformationen und sonstigen Kuriositäten.
Heute gilt es als inhuman, den Elefantenmenschen oder die Dame ohne Unterleib vorzuführen - stattdessen sonnen sich die anorexischen Zwillinge, der dickste Mann der Welt oder Paris Hilton im Glanz der Öffentlichkeit.
Die mediogene Missbildung der Hilton liegt in der Unverhältnismäßigkeit zwischen Reichtum und Talent sowie zwischen gesellschaftlicher Stellung und Gebaren der jungen Hotelerbin. Eine Frau ohne Diskretion, so heißt es schon in der Bibel, sei wie ein goldenes Schmuckstück in einer Schweineschnauze - eine Metapher, die geradezu auf die 25-Jährige gemünzt zu sein scheint. So wird Miss Hilton, die Vieles eigentlich besser wissen müsste, einerseits angehimmelt, andererseits verachtet und oft auch beides zugleich.
Eine Deformation haben mit dem Aufkommen des Paris-Phänomens auch die Medien erlitten: Die öffentliche Aufmerksamkeit, die dem Pornopopstarlet zuteil wird, steht in keinem Verhältnis zu dessen tatsächlicher Bedeutung oder Substanz. Der offensichtliche Trash-Faktor ist als Erklärung unzureichend - auch seriöse Medien wie die FAZ, ZEIT, SZ oder der SPIEGEL setzen sich regelmäßig mit der Hilton auseinander, sei es auch nur, um - wie neulich im stern - eben jene Aufmerksamkeit zu beklagen, deren sie sich, mittlerweile auch ganz ohne eigenes Zutun, allenthalben erfreut. “Man, wie die nervt” überschrieb das Hamburger Magazin letzte Woche eine Story über die Hotelerbin - nur um in der Zwischenzeit schon wieder mehrere Male über sie berichtet zu haben. Auch so kann man seine Glaubwürdigkeit einbüßen.
Doch warum, fragen Sie sich spätestens jetzt, stösst auch WdSiK ins nämliche Horn und fällt somit dem gleichen Widerspruch anheim wie all die anderen?
Die Antwort lautet: Weil wir uns – als erstes deutsches Unterhaltungs- und Aufklärungsmedium – exklusiv und unwiderruflich von Paris verabschieden wollen. Jawohl - auf dieser Seite werden Sie, was immer auch geschehen mag, nie wieder von Paris Hilton hören. Denn wir verweigern uns fortan dieser medialen Scharade, die letztlich nichts anderes ist als eine moderne Version des Märchens vom Kaiser und seinen neuen Kleidern.
Und wir fordern die obengenannten Printmedien auf, ein Gleiches zu tun. Oder damit aufzuhören, sich weiter aufs Larmoyanteste über den Verfall unserer Kultur zu beklagen. Und ferner den zynisch-süffisanten Ton abzulegen, mit dem meist über Miss Hilton berichtet wird - damit wird nämlich zu verstehen gegeben, dass man darübersteht. Was mit Sicherheit nicht der Fall ist, solange man nach wie vor jedem Pups der Paris mit geblähten Nüstern hinterherhechelt…
Hass macht hässlich
Für die einen sind sie feige Mörder, für die anderen Helden der APO. Nach wie vor spalten die ehemaligen RAF-Mitglieder die Nation. Entsprechend hoch ist das Interesse der Medien. Die physiologischen Folgen des Terrors sind jedoch so gut wie unerforscht. WdSiK tritt erstmals den Beweis an: Terrorismus macht hässlich. Bitte klicken Sie die Bilder (Quelle: RAF-info.de) an, um sie im Großformat zu sehen.
Kullerkeks Mohnhaupt Ende der 60er sowie auf einem Fahndungsfoto aus den 70ern
Dokufilmer Holger Meins ‘68 und auf einem Polizeifoto vier Jahre später
Ulrike Meinhof ‘69 und ‘72
Baader als junger Revoluzzer und 1977 in Stammheim
Weiß-blaue Intrigen
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Nach dem Sturz ist vor dem Sturz(Bild bitte anklicken)
Dass Revolutionen – frei nach Friedrich Nietzsche – zuweilen auf Taubenfüßen kommen, war Edmund Stoiber anscheinend nicht bekannt. Jedenfalls hat er sich nicht entsprechend vorgesehen. „So wichtig sind sie nicht“ wies der Noch-Ministerpräsident die Fürther Landrätin Gabriele Pauli vor einem Monat in ihre Schranken, als sie der Staatskanzlei vorwarf, sie bespitzelt zu haben.
Und doch wurde Pauli offenbar so wichtig genommen, dass man versucht hatte, ihr am Zeug zu flicken. Nicht wichtig genug indes, dass Stoiber sich ihrer Herausforderung gestellt hätte.
Die für Stoiber schicksalshafte Ironie liegt wohl darin, dass der Landesfürst zu diesem Zeitpunkt, als sich noch keine Ersatzformation gebildet hatte, aller Wahrscheinlichkeit nach siegreich aus einer Mitgliederbefragung hervorgegangen wäre. Doch mit der ihm eigenen Mischung aus Zauderhaftigkeit und Arroganz, die schon in seiner Entscheidung zu Tage trat, in München zu bleiben anstatt nach Berlin zu gehen, brachte er sich um die Macht.
Nur allzu verständlich, dass Stoiber damals nicht gewillt war, seine Quasi-Alleinherrschaft in Bayern aufzugeben und seinen politischen Gestaltungswillen in eine Koalition mit der SPD einzubringen. Das ein oder andere Ziel hätte er in Berlin preisgeben müssen, er wäre darum wohl auch in Bayern gelegentlich unter Beschuss geraten. Das hätte ihm, neben dem Verzicht auf die Landesherrschaft, zu schaffen gemacht.
Doch dass er in Bayern geblieben ist, hat ihm letztlich mehr geschadet. Nicht nur zementierte das sein Image eines Zögerers, auch brachte es ihm die Ablehnung jener Parteigenossen ein, die sich selbst schon auf dem Ministerpräsidentensessel wähnten.
So war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis sich ein zum Königsmord bereites Gespann finden würde. Als Stoiber seine Parteifreunde mit der Ankündigung verschreckte, dass er bis 2013 regieren wolle, war die Maß voll. Und nachdem Seehofer vor einigen Tagen in die Schlagzeilen geraten und somit kurzfristig anderweitig beschäftigt war, ergriffen Beckstein und Huber ihre Chance und traten als neue Formation auf den Plan. Stoiber musste abdanken.
Frau Pauli, die während der ganzen Scharade als Einzige eine gute Figur machte, nahm es hin, sicher mit Genugtuung, doch ohne Triumphgeheul oder Hohngelächter.
Und die CSU? Sie wird uns auch künftig durch ähnliche „Betriebsunfälle“ (parteiinterner Euphemismus für „Intrigen“) unterhalten. Zumal uns nach wie vor interessiert, wer das so wohlplatzierte Gerücht über die außerehelichen Aktivitäten des Verbraucherministers gestreut hat. Beckstein zufolge „stammt es aus Berlin“. Was gar nichts besagt – selbst die CSU ist zeitgemäß genug, die sonst hausgemachte Intrige, falls nötig, auch einmal auszugliedern.
Ein Mann des Volkes

Die Ähnlichkeit mit dem späten Elvis ist unverkennbar: Popstar Kurt Beck
Kurt Beck ist ein so genannter Spitzenpolitiker, doch ein Mann von Welt ist er nicht. Gebürtig im 1000–Seelendorf Kapsweyer, aufgewachsen im nahen Steinfeld, wo er noch heute mit Frau und Sohn lebt, haftet dem SPD-Vorsitzenden trotz mehrer internationaler Ehrenbürger- und Doktorwürden immer noch der Geruch des Provinziellen an.
Was ihm an Weltläufigkeit fehlt, macht er indes mit Volkstümlichkeit reichlich wett. Beck ist ein Mann des kleinen Manns, der wurstgewordene palatine dream sozusagen. Und der kleine Mann hat’s gern einfach und direkt. Er freut sich, wenn ein Politiker zuweilen sagt, was er denkt und nicht bloß so um den heißen Brei herumredet.
Kein Wunder also, dass Becks Aufforderung an jenen pöbelnden Arbeitslosen auf dem Wiesbadener Weihnachtsmarkt, er solle sich waschen und rasieren, dann werde er einen Job finden, ihm mehr Sympathie als Schelte einbrachte. Becks politisch inkorrekte Aussage hatte ins Schwarze getroffen. Er gewann an Profil gegenüber einer Kanzlerin, der ihre Diplomatie oft als Führungsschwäche ausgelegt wird.
Dabei spielt es keine Rolle, dass Becks guter Ratschlag im Grunde schierer Blödsinn war: Waschen und Rasieren, wie wenn es so einfach wäre! Das wusste der SPD-Chef natürlich auch und half darum ein bisschen nach, indem er seine Beziehungen spielen ließ. Abrakadabra: sieben Jobangebote von des Landesfürsten Gnaden. Die Pointe der Posse zu referieren, dass nämlich der frisch rasierte und – geschorene Arbeitslose sich einen Dreck um die so medienwirksam inszenierte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme scherte, erübrigt sich fast.
Knapp zwei Wochen später machte Beck erneut Schlagzeilen: Gegenüber der “Welt” erklärte er, mit den bislang beschlossenen Reformen sei “die Grenze der Zumutbarkeit” erreicht. Die Menschen müssten auch verarbeiten und verkraften können, was an Veränderung notwendig ist. Doch weder die Gesundheitsreform (sollte sie denn irgendwann demnächst in trockenen Tüchern sein) noch die Reform des Arbeitsmarkts werden Verhältnisse schaffen, die ohne ständige Überholung der bisherigen Umgestaltung fortbestehen werden können. Zumal das zentrale Ziel, den Sozialstaat zukunftsfest und die Arbeit kostengünstiger zu machen, nach wie vor in weiter Ferne liegt. Und gibt es nicht auch in anderen Bereichen noch jede Menge zu tun, etwa beim Abbau der Staatsverschuldung, bei der Vereinfachung des Steuersystems oder in der Bildungspolitik? Im Lichte dessen nimmt sich Becks Zugeständnis wie reine Propaganda aus.
Und dennoch handelt es sich hier nicht bloß um ein Lippenbekenntnis zum kleinen Mann und seinem Bedürfnis nach Konstanz. Was sich wie Sorge um das Volk ausnimmt, ist ebenso wie Becks scheinbar wohltätiges Gebaren gegenüber Henrico Frank auch Ausdruck des landesväterlichen Allmachtsanspruchs. Mit gekonnter Kleinbürgerarroganz setzt der machtgeblähte Pfälzer ein nahendes Ende des Reformbedarfs fest– angesichts der massiven Umwälzungen einer globalisierten Wirtschaft eine utopische Zielsetzung. Selbst gewaschen und rasiert dürfte es schwer halten, dergleichen einzulösen.










